Hildebrandt-Orgel

Ohne Zweifel gehört die Hildebrandt-Orgel zu St. Wenzel zu den bedeutendsten Schöpfungen auf dem Gebiet spätbarocken Orgelbaus. Nicht nur an Zahl, sondern auch an Vielfalt der Register übertrifft sie alle Silbermannorgeln. Ihre Disposition weist gleichzeitig konservative, im deutschen Orgelbau des Barock wurzelnde Elemente wie auch Eigentümlichkeiten auf, die dem neuen Klangempfinden entsprechen, das sich im 18. Jahrhundert entwickelt, und läßt französische Charaktermerkmale in den Hintergrund treten. So ist dieses einmalige Werk aus der Universalität Bachschen Geistes heraus entstanden, aus der kosmischen Vielfalt seines Schaffens, das ebenfalls aus der Tradition Entwickeltes und in die Zukunft Weisendes in genialer Synthese in sich vereint.

Ulrich Dähnert

 

Zacharias Hildebrandt  (1688 - 1757)

1688 in Münsterberg/Schlesien geboren
1713 - 1722 Lehrkontrakt und Tätigkeit bei Gottfried Silbermann
1717 - 1718 Bau der Orgel in Langhennersdorf als Meisterstück
1722 Trauung in Langhennersdorf
Ende der Mitarbeit in der Werkstatt Silbermanns
1722 - 1724 Tätigkeit in Störmthal und Liebertwolkwitz
Erste Begegnung mit Johann Sebastian Bach
1725 - 1731 Arbeiten in Sangerhausen (St. Jacobi) und Umgebung - Pölsfeld, Sotterhausen
1730 Ernennung zum Fürstlich Sächsisch-Weißenfelsischen Hoforgelmacher
1731 - 1743 Orgel- und Instrumentenbau in Leipzig
und Umgebung
Überholungsarbeiten in Merseburg und Naumburg
1743 - 1746 Orgelneubau in St. Wenzel Naumburg
27. September 1746: Orgelabnahme durch
Johann Sebastian Bach und Gottfried Silbermann
1747 - 1750 Arbeiten in Leipzig und Hettstedt
1750 - 1757 Tätigkeit in Dresden
zunächst als Werkführer beim Bau der
Silbermann-Orgel
in der Katholischen Hofkirche
später Orgelneubau in der Dreikönigskirche
11. 10. 1757 in Dresden verstorben
14. 10. 1757 Beisetzung auf dem Neustädter Friedhof

 

 

Disposition:


Rückpositiv (l)

Principal
Viol di Gambe
Prestanta
Quintadehn
Rohr-Floete
Vagara
Rohr-Floete
Nassat
Octava
Rausch-Pfeife
Mixtur
Fagott
 
 
8`
8`
4`
8`
8`
4`
4`
3`
2`
2  fach 
5  fach 
16`
  Hauptwerk (ll)

Principal
Quintadehn
Octava
Spitz-Floete
Praestanta
Cornet
Gedakt
Spitz-Floete
Sesquialter
Octava
Quinta
Weit-Pfeife
Mixtur
Bombart
Trompete
 
 
 
 
16`
16`
8`
8`
4`
4  fach 
8`
4`
2  fach 
2`
3`
2`
8  fach 
16`
8`
 
 
Oberwerk (lll)

Bordun
Principal
Hohl-Floete
Princ.und.mar.
Praestanta
Gemshorn
Quinta
Octava
Wald-Floete
Tertia
Quinta
Sif-Floete
Scharff
Vox humana
 
 
16`
8`
8`
8`
4`
4`
3`
2`
2`
1  3/5`
1  1/2`
1`
5  fach  
8`
  Pedal

Vorderpedal-Lade


Principal
Octaven Bass
Violon Bass
Octaven Bass
Octava
Mixtur Bass
Trompet. Bass
Clarin Bass
 
Hinterpedal-Lade

Posaune
Posaune
Violon Bass
Subbass
 
 
 
 
16`
8`
8`
4`
2`
7  fach 
8`
4`
 
 
 
16`
32`
16`
16`
 
Nebenzüge

Koppel
Koppel
Pedalkoppel
Tremulant
Schwebung

Sperrventil
Sperrventil
Cymbelstern

Tonhöhe
Temperatur
Winddruck

Tonumfang
 
 
OW - HW 
RP - HW 
HW - P 
HW + RP 
OW 
 
HW 
OW 


a`= 464 Hz/15°C 
Neidhardt l  (1724)
Man. 74 mm 
Ped. 78 mm 
C,D-c```
C,D-d`   

 

 

Orgelabnahme
durch Bach und Silbermann